
Meldung
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| Notaufnahme Niesky | 03588/264-0 |
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Am 7. Mai 2026 fand auf dem Gelände des Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden e.V., vor dem Haus an der Ecke Bautzner Straße/Wolfsgasse eine Stolpersteinverlegung für drei während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Diakonissen statt. Schwester Helene Grünert (1877-1939), Schwester Emma Hartmann (1887-1940) und Schwester Helene Rost (1891-1941) wurden aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen Opfer der NS-Euthanasie.
Historikerin Bettina Westfeld entdeckte die vergessenen Schicksale der Schwestern während ihrer Recherchen für das zukünftige Museum der Diakonissenanstalt. „Im Nachruf zu Diakonisse Emma Hartmann fiel mir der Satz: ‚… wurde Schwester Emma mit anderen Kranken in die Landesanstalt Brandenburg verlegt‘ auf. Dieser machte mich misstrauisch. Wir recherchierten weiter und stießen auf zwei weitere Verdachtsfälle in der Diakonissenschwesternschaft, die Opfer der NS-Euthanasie gewesen sein könnten. Nachfragen in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein sowie in den Sächsischen Staatsarchiven in Leipzig und Chemnitz brachten die traurige Gewissheit, dass alle drei Diakonissen während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Schwester Emma Hartmann war ein Opfer der Aktion T4. Sie wurde in der Gaskammer der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein umgebracht.“
Oberin Schwester Esther Selle, Diakonisse und Vorständin der Diakonissenanstalt Dresden, war über die Ergebnisse der Recherche ebenso erschüttert wie ihre Mitschwestern. In der Diakonissenanstalt Dresden hatte es nie Berichte über Diakonissen gegeben, die selbst Opfer des Nationalsozialismus geworden waren. Diakonissen aus Dresden hatten in ihrem Dienst in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, wie im Epilepsiezentrum Kleinwachau bei Radeberg oder im sogenannten Siechenhaus Bethesda in Radebeul, miterleben müssen, wie Bewohnerinnen und Bewohner mit Bussen von den Nationalsozialisten abgeholt und unter anderem nach Arnsdorf und weiter nach Pirna-Sonnenstein verlegt wurden. Dokumente zeigen, dass Dresdner Schwestern aktiv versuchten, ihre Schützlinge zu retten, indem sie deren Familien informierten und darum baten, die Angehörigen nach Hause zu holen.
„Dass drei unserer Schwestern selbst Opfer der NS-Euthanasie geworden sind, hat unsere Gemeinschaft und mich tief betroffen gemacht“, erklärt Oberin Schwester Esther Selle. „Wir sind dankbar, dass wir nach einer internen Gedenkandacht zum Frühjahrsbußtag 2026 mit den Stolpersteinen für die Schwestern Helene Grünert, Emma Hartmann und Helene Rost jetzt auf dem Diako-Gelände dauerhaft an deren Schicksal erinnern und gleichzeitig mahnen können, dass solche Verbrechen gegen Menschen nie wieder geschehen dürfen.“
Die Stolpersteine für die drei Diakonissen wurden direkt vor dem Eingang zum künftigen „Treffpunkt Museum“ verlegt, welches im Laufe des Jahres eröffnet werden soll. Alle Besucherinnen und Besucher des „Treffpunkt Museum“ werden über die Steine „stolpern“.
In Ihrer Begrüßung dankte Oberin S. Esther Selle unter anderem Bettina Westfeld für ihre Recherchen und dem Verein „Stolpersteine für Dresden“ mit der Vorsitzenden Brigitte Lange, für die Ermöglichung der Verlegung und das Engagement, die Schicksale bekannt zu machen. Nach der Begrüßung durch Oberin S. Esther Selle sprach Superintendent Albrecht Nollau ein geistliches Wort. Auszubildende der Berufsfachschulen für Pflegeberufe lasen die Biografien der drei Schwester vor. Bettina Westfeld, Historikerin und Präsidentin der Landessynode der Ev.—Luth. Landeskirche Sachsen, sowie Brigitte Lange, Vorsitzende des Vereins „Stolpersteine für Dresden e.V.“, sprachen jeweils ein Grußwort.
In Ihrem Grußwort mahnt Historikerin Bettina Westfeld mit Blick in die deutsche Geschichte: „Die nationalsozialistischen Krankenmorde wurden möglich durch ein Menschenbild, das den Wert eines Menschen an seiner Leistungsfähigkeit, seiner Gesundheit und seinem materiellen Nutzen maß. Wo der Mensch nicht mehr als Person mit unveräußerlicher Würde gesehen wird, sondern nach Brauchbarkeit, Belastbarkeit und ökonomischem Wert beurteilt wird, geraten die Schwachen zuerst in Gefahr. Kranke, behinderte und pflegebedürftige Menschen erschienen in dieser Logik nicht mehr als Schutzbefohlene, sondern als Last. Aus dieser Entwertung erwuchsen Entrechtung, Ausgrenzung und schließlich systematischer Mord. Zu den Opfern gehörten auch Menschen, die zuvor selbst für andere Sorge getragen hatten.“
Kurzinformation zu den drei Diakonissen
Schwester Helene Grünert wurde am 17. September 1877 in Falkenau bei Flöha geboren. Am 15. September 1897 trat sie in die Zwickauer Filiale der Diakonissenanstalt Dresden ein und begann ihre Ausbildung zur Krankenschwester. Zur Diakonisse wurde Schwester Helene Grünert am 23. Mai 1904 eingesegnet. Sie arbeitete in der Gemeindepflege. 1914 übernahm sie die Gemeindepflege in Bockwa bei Zwickau für insgesamt 14 Jahre. Anfang 1928 zeigten sich bei ihr Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Im August 1929 wird sie erstmals in die Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein eingewiesen. Schwester Helene Grünert verstarb am 30. Oktober 1939 in der Landesheil- und Pflegeanstalt Hochweitzschen an den Folgen einer „Hungerkost“. Sie wurde 62 Jahren alt.
Schwester Emma Hartmann wurde am 09. November 1887 in Dahlen geboren. In die Diakonissenanstalt Dresden trat sie am 22. Juni 1910 ein und erlernte die Krankenpflege. Ihr Einsegnungstag zur Diakonisse war der 5. April 1916. Sie arbeitete in verschiedenen Krankenhäusern und der Gemeindepflege, bis sie im Dezember 1924 die Gemeindearbeit in Schönau an der Eigen für insgesamt 11 Jahre übernahm. Aufgrund einer schweren Gehirnerkrankung wurde sie 1935 in die Landesanstalt Pirna-Sonnenstein eingewiesen. Schwester Emma Hartmann wurde am 3. September 1940 in Pirna-Sonnenstein in der Gaskammer im Rahmen der „Aktion T4“ ermordet. Sie wurde 52 Jahre alt.
Schwester Helene Rost wurde am 17. Oktober1891 in Cossengrün geboren. Sie trat am 01. Mai 1911 in die Zwickauer Filiale der Diakonissenanstalt Dresden ein und begann ihre Ausbildung zur Krankenschwester. Am 6. Juni 1917 wurde sie zur Diakonisse eingesegnet. In den folgenden Jahren arbeitete Schwester Helene Rost als Krankenschwester auf verschiedenen Stationen, u. a. in Chemnitz und Gera-Ernsee. Ab 1930 zeigten sich bei ihr Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Im Juni 1931 wurde sie in die Landesheilanstalt Pirna-Sonnenstein eingewiesen. Schwester Helene Rost verstarb in der Landesheil- und Pflegeanstalt Untergöltzsch am 23. Dezember 1941 aufgrund einer Mangelernährung in Kombination mit krampfanfallsauslösenden Medikamenten. Sie wurde 50 Jahre alt.